Immer diese Formvorschriften! Kleiner Fehler, große Wirkung

Gemäß § 2247 BGB kann der Erblasser ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten. Zur Wirksamkeit des Testaments ist es daher zwingend erforderlich, dass der Erblasser seinen letzten Willen in seinem Testament vom ersten bis zum letzten Wort handschriftlich niederlegt und seine abgegebene Erklärung auch eigenhändig unterschreibt.

Fügt der Erblasser seinem Testament nach der Unterschrift noch weitere Erklärungen hinzu, sind auch diese Zusätze zu unterschreiben, damit sämtliche Erklärungen von der Unterschrift gedeckt und damit wirksam sind.

Der Erblasser soll in seiner Erklärung ferner angeben, zu welcher Zeit (Tag, Monat, Jahr) und an welchem Ort er die Erklärung niedergeschrieben hat. Die Datumsangabe ist besonders wichtig, wenn der Erblasser mehrere einander widersprechende Testamente hinterlassen hat. Da durch die Errichtung eines neuen Testaments das vorherige Testament in der Regel widerrufen wird, kann anhand der Datumsangabe die zeitliche Reihenfolge der Testamente zweifelsfrei festgestellt werden. Fehlt die Datumsangabe und ergeben sich hieraus Zweifel an der Gültigkeit, ist das Testament nur dann als gültig anzusehen, wenn sich die notwendigen Feststellungen über die Zeit der Errichtung anderweitig treffen lassen. Fehlt in allen Testamenten die Datumsangabe und kann die Reihenfolge nicht rekonstruiert werden, sind im Zweifel alle Testamente unwirksam.

Die fehlende Datumsangabe kann auch zu Problemen, d.h. zur Unwirksamkeit führen, wenn der Erblasser ab einem bestimmten Zeitpunkt z.B. wegen einer Demenz testierunfähig war und der Zeitpunkt der Testamentserrichtung nicht mehr rekonstruiert werden kann.

Für Ehegatten besteht die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament zu errichten. Für die Errichtung eines gemeinschaftlichen eigenhändigen Testaments ist es ausreichend, wenn einer der Ehegatten das Testament eigenhändig verfasst und unterschreibt. Im Idealfall fügt er auch Angaben zum Zeitpunkt und dem Ort der Errichtung hinzu. Der andere Ehegatte muss die gemeinsame Erklärung dann ebenfalls unterschreiben. Allerdings soll auch der mitunterzeichnende Ehegatte angeben, zu welcher Zeit (Tag, Monat, Jahr) und an welchem Ort er seine Unterschrift beigefügt hat.

Auch hier führt das Fehlen der Datumsangabe nicht zwingend zur Unwirksamkeit des gemeinschaftlichen Testaments, jedoch können sich hieraus die oben näher geschilderten Probleme ergeben. Wenn nur einer der Ehegatten zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments testierunfähig war, stellt sich die Frage, ob dadurch das gesamte gemeinschaftliche Testament ungültig ist oder es zumindest als Einzeltestament des noch testierfähigen Ehegatten Wirkung entfalten kann.

Das Testament kann in diesem Fall nur dann in ein wirksames Einzeltestament des testierfähigen Ehegatten umgedeutet werden, wenn der Erblasser seine Verfügungen auch bei Kenntnis der Unwirksamkeit der Verfügung des anderen Testierenden so getroffen hätte.

Wenn Sie sicherstellen wollen, dass nach Ihrem Tod Ihr letzter Wille tatsächlich auch durchgesetzt werden kann, sollten Sie sich vor der Errichtung eines Testaments in jedem Fall durch einen spezialisierten Anwalt oder einen Notar beraten lassen oder Sie nutzen sogleich die Möglichkeit, ein notarielles Testament zu errichten.

 

 

Anne-Kathrin Heckl

Rechtsanwältin

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